75 Jahre Edelknaben in Wevelinghoven
Quelle:
Neuss-Grevenbroicher-Zeitung 06.06.2026
von : Christian Candzorra
Foto : BSV Wevelinghoven
„Sie sind das Fundament unseres Vereins“
Wevelinghoven · Der Schützennachwuchs in Wevelinghoven feiert 2026 ein besonderes Jubiläum: Die Gemeinschaft besteht seit 75 Jahren und erleichtert den Einstieg ins örtliche Brauchtum erheblich. Betreut werden die Mädchen und Jungen nun von einem neuen Trio. Und natürlich gibt es im Jubiläumsjahr auch Nachwuchs-Royals.
Sie sind der ganze Stolz des Vereins: die Edelknaben und Jugendschützen, die bereits im zarten Alter von fünf Jahren Teil des Bürgerschützenvereins Wevelinghoven werden können. 2026 ist für das Korps des Schützennachwuchses ein besonderes Jahr: Die Riege der kleinsten Brauchtumsfreunde kann auf ihr 75-jähriges Bestehen zurückblicken – ein Jubiläum, das ein stattlicher Teil des Erwachsenen-Regiments zum Anlass nehmen kann, selbst einmal an seine Anfänge zurückzublicken. Denn viele Schützen sind früher selbst in den Reihen des Nachwuchses mitmarschiert, darunter hochrangige Repräsentanten des BSV – von der Majestät bis hin zum Präsidenten.
BSV-Chef Marcus Odenthal sagt es so: „Für uns sind die Edelknaben überlebenswichtig.“ Die Nachwuchsarbeit sei extrem wichtig, Odenthal spricht vom „Fundament des Vereins“, gar von der „Quelle unseres Jungbrunnens“. Umso mehr freut sich der Präsident (er hatte ebenfalls bei den Edelknaben angefangen), dass die Nachwuchsabteilung nun in gute Hände übergegangen ist: Denn nach nicht weniger als 25 Jahren haben Gabi Rosenberger, Anja Kottmann und Michael Trottnow die Geschicke vom bisherigen Trio aus Anja Dönni, Moni Drees und Ursel Fücker übernommen. Sie hatten mit der Betreuung begonnen, als ihre Kinder noch klein waren. Nun kommen wiederum deren Kinder zum Teil ins Edelknaben-Alter.
Die neuen und alten Betreuer waren nun mit von der Partie, als der Jubiläums-Königswettbewerb unter den Kleinsten des BSV am Martinusforum ausgetragen wurde. Bei dem Wettbewerb absolvierten die Edelknaben eine Art Spiele-Olympiade und die Jugendschützen einen Schießwettbewerb mit Lasergewehren. Daraus sind zwei Sieger hervorgegangen, und zwar zwei Jungen, die fast Namensvetter sind: Neuer Edelknabenkönig ist der achtjährige Max Eßer, der seit drei Jahren bei den Edelknaben aktiv ist und die örtliche Gebrüder-Grimm-Schule besucht. Für die Jugendschützen ging der elfjährige Henry Esser als Sieger hervor. Er ist seit zwei Jahren Teil des Nachwuchskorps und geht aufs Grevenbroicher Pascal-Gymnasium. Edelknabenkönig Max Eßer ist bisher nur „ermittelt“ – ihm wird am Schützenfestsonntag bei einer offiziellen Krönung eine besondere Ehre zuteil. Dem Besten der Jugendschützen wird der Titel für gewöhnlich bereits kurz nach dem Wettbewerb verliehen.
Die Zahl der Edelknaben (fünf bis zehn Jahre) liegt aktuell bei knapp 30; zu den Jugendschützen (ab zehn) zählen die Wevelinghovener derzeit etwas mehr als 20 Mitglieder. „Mädels und Jungs sind bei uns gleichermaßen willkommen“, sagt BSV-Präsident Marcus Odenthal. Mit etwa 16 Jahren können sich die Nachwuchsmitglieder den „großen“ Schützen anschließen und Zügen unterschiedlicher Korps beitreten – oder sich mit anderen Jugendlichen zusammentun und selbst einen Zug gründen. So haben es in den vergangenen Jahren viele junge Schützen gemacht. Und so festigen sich Freundschaften, die dank des Brauchtums teilweise über Jahrzehnte hinweg bestehenbleiben, weil sich spätestens zum Schützenfest alle Mitglieder wieder in ihrer Heimat Wevelinghoven treffen.
„Tradition muss man weitergeben“, sagt Ursel Fücker. Moni Drees ergänzt: „Wir wollen niemanden am Rand stehen lassen.“ Bekanntlich gibt es einige Kinder, die ins Staunen kommen, wenn sich der BSV zu Parade oder Umzug durchs Dorf formiert. Die Schützen blicken immer wieder in leuchtende Kinderaugen, die so viel ausdrücken wie „Da möchte ich auch mal mitmachen“. „Hier kennt jeder jeden, das Zugehörigkeitsgefühl spiegelt sich auch bei den Edelknaben wider“, sagt Gabi Rosenberger. Und Michael Trottnow erklärt: „Es gibt Väter, denen die Tränen in den Augen stehen, wenn ihr Kind in den Verein eintritt und entsprechend eingekleidet wird.“
Hosen, Westen, Hemden, T-Shirts – der BSV-Nachwuchs wird passend zum Brauchtum ausstaffiert, die Gruppe soll als Gemeinschaft – gern begleitet von Familie Brandofsky – auch bei den Umzügen zum Fest erkennbar sein. Apropos Umzug: Auch in diesem Jahr ist zum Schützenfest wieder ein Kinderumzug geplant, der anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums noch eine Nummer größer ausfallen soll als in den vergangenen Jahren. „Wir hoffen, dass er dieses Jahr richtig Fahrt aufnimmt“, sagt Gabi Rosenberger, deren Mann Ralf mit in die Vorbereitungen zum dann dritten Kinderumzug involviert ist. Für die Jungen und Mädchen (auch von anderen Vereinen aus Wevelinghoven) ist der kurze Umzug zum Festbeginn in der Gartenstadt stets ein Höhepunkt.
Die Teilnahme am Fest ist aber nicht alles, was die Gemeinschaft der Jüngsten im BSV ausmacht. Auf dem Plan stehen das ganze Jahr über diverse Aktivitäten, auch Ausflüge stehen auf dem Programm. Die meisten Aktionen sind für die Kinder kostenfrei, hier legen sich auch die Regenten des BSV ins Zeug. So haben die Königspaare Tim und Johanna Weitz (amtierend) sowie Miguel und Katrin Coro Garcia (vergangenes Jahr) nunmehr beim Königswettbewerb des Nachwuchses mit angepackt.
Allerdings ist der Verein auf Spenden zugunsten der Jugendförderung angewiesen – auch um den Mitgliedsbeitrag (15 Euro jährlich für Edelknaben, 20 für Jugendschützen) gering zu halten. Hier leistete jüngst der Scheibenschützenzug „Stiefe Jonge“ einen Beitrag: Zugmitglied Michael Dölling überreichte beim Königswettbewerb eine Spende in Form von 350 Euro aus dem Erlös der Veranstaltung „Wevelinghoven trinkt Glühwein“, die kurz vor Weihnachten 2025 zu einem großen Erfolg geworden war und dieses Jahr wiederholt werden soll. (cka jast)